Erste Resultate Verletzungsrisiko

Erste Resultate zu Verletzungen im Unterricht nach TRuST

Wie angekündigt folgen hier die ersten und vorläufigen (!) Resultate zu Verletzungen im Unterricht nach TRuST.

Methode

Vorgehen / Instrumente

Als Datengrundlage wurden alle analog und digital vorhandenen Unterrichtsplanungen von ParkourONE Schweiz seit November 2009 verwendet. Alle Klassenleiter_innen von ParkourONE sind verpflichtet, von jeder Lektion die entsprechenden Planungen Ende Monat abzugeben. Deshalb kann davon ausgegangen werden, dass die Planungen zuverlässig vorhanden sind. Ein grösserer bekannter Datenausfall eines Unterrichtstandorts ist auf ein Verlust digitaler Daten zurückzuführen. Die genaue Ausfallquote konnte nicht berechnet werden. Bezüglich Verletzungen sind TRuST HEADCOACHES verpflichtet, diese als „besondere Vorkommnisse“ zu notieren (nicht standardisiert). Wenn Schüler_innen ins Krankenhaus, überwacht oder mehr als 2-3 Minuten betreut werden müssen, haben sie eine direkte Meldepflicht gegenüber ParkourONE. Es handelt sich bei den Unterrichtsplanungen von ParkourONE um teilstandardisierte retrospektive Daten.

Erfasst wurden bei jeder Lektion an welchem Tag und an welchem Standort sie stattfand, wie viele (HEAD-)COACHES (als Anhaltspunkt für die Anzahl Schüler_innen) beteiligt waren und ob es besondere Vorkommnisse gab. Weiter wurde klassifiziert, ob ein Trainingsabbruch; Schmerzen oder Beschwerden; ein Unfall oder eine Verletzung (und wenn ja welches Ausmass und welche Lokalisation eine Verletzung zur Folge hatte) berichtet wurden. Falls keine näheren Informationen vorhanden waren, wurde dies so vermerkt.

Stichprobe

Die Stichprobe setzt sich aus 2412 Planungen von Unterrichtseinheiten an je zwei Stunden zwischen dem 5. November 2009 und dem 29. November 2016 zusammen. 1933  Lektionen (80.1%) fanden in Trainingsklassen ab dem Alter von 12 Jahren, 290 Lektionen (12.0% ) in Trainingsklassen bei Kindern von 6 bis 12 Jahren und die restlichen 189 Lektionen (7.8%) bei Studierenden im Rahmen des Universitätssports statt. Bei 1509 Lektionen (62.6%) waren 2 TRuST (HEAD-)COACHES beteiligt, die restlichen 903 Einheiten (37.4%) wurden von einem HEADCOACH alleine gehalten.

Analyse

Die Datenanalyse wurde mit SPSS Version 24 durchgeführt. Es wurden Häufigkeiten sowie die Verletzungsinzidenz (Verletzungen pro 1000 Stunden) berechnet. Diese bildet sich aus der Anzahl Verletzungen durch die Anzahl Parkourstunden mal 1000.

Die Anzahl Stunden wurden mit geschätzten Teilnehmerzahlen aggregiert. Eine Unterrichtslektion nach TRuST dauert 2 Stunden und pro (HEAD-)COACH können maximal 12 Schüler_innen teilnehmen. Es wurde eine konservative Schätzung vorgenommen, in welcher davon ausgegangen wurde, dass bei zwei (HEAD-)COACHES 12 Schüler_innen und bei einem HEADCOACH 6 Schüler_innen anwesend waren.

Erste Resultate

In 94.9% der Lektionen (n=2285) gab es keine besonderen Vorkommnisse. Ein Vorfall wurde in 4.8% (n=116), zwei Vorfälle in 0.3% (n=8) und drei Vorfälle in 0.1% (n=3) der Einheiten berichtet.  Hier wurden Dinge wie nicht alltägliche Kontakte mit Passanten, Hauswarten, Medien oder Unfälle vermerkt.

Keine Unfälle gab es in 97.2% der Lektionen (n=2344). Ein Unfall wurde in 2.6% (n=63) und zwei Unfälle in 0.2% (n=5) der Einheiten berichtet. Die 73 berichteten Unfälle ereigneten sich in 47’052 Parkourstunden, was einer Verletzungsinzidenz von 1.55 Verletzungen pro 1000 Stunden entspricht. Von den verletzen Personen brachen 19.2% (n=14) die Lektion ab, 30.1% (n=23) der Betroffenen trainierten weiter und bei 49.3% (n=36) gab es keine Information, ob ein Trainingsabbruch stattgefunden hat oder nicht.

Bezüglich der Lokalisation und des Ausmass der Verletzungen siehe die Resultate in folgenden Tabellen:

Erste Implikationen

Insgesamt weisen die Daten auf ein geringes Verletzungsrisiko innerhalb des Parkourunterrichts nach TRuST hin. Die Inzidenz der Verletzungen (Verletzungen pro 1000 Parkourstunden) betrifft 1.55. Als Vergleich kann die tabellarische Übersicht über das Verletzungsrisiko pro 1000 Sportstunden verschiedener Sportarten (ohne Parkour) auf Seite 672 von Schöffl et al. (2010) herbei gezogen werden:

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Schöffl et al. (2010, p. 672)

Von den 73 Verletzungen, die berichtet wurden, waren 5 Bänderrisse oder Brüche. Die Mehrheit der Verletzungen (n= 57) waren Prellungen, Quetschungen, Beulen, Zerrungen oder Schnittwunden. Schürfungen waren relativ selten berichtet, wobei davon ausgegangen werden kann, dass diese als Bagatellverletzungen gar nicht erst gemeldet wurden. Bezüglich der Lokalisation der Verletzungen waren die unteren Extremitäten mit 63.0% am häufigsten betroffen. Allgemein kann gesagt werden, dass durch die unstandardisierte Erfassung besonderer Vorkommnisse gewisse und teilweise wichtige Informationen fehlen. Beispielsweise konnte bei 49.3% der Personen, die einen Unfall während dem Training erlebten, nicht gesagt werden, ob das Training fortgesetzt werden konnte oder nicht. Hier wäre es zur Qualitätssicherung wichtig, die Unterrichtsplanung in Zukunft so zu überarbeiten, dass alle relevanten Informationen erfragt werden.

Literaturverzeichnis

Schöffl, V., Morrison, A., Schwarz, U., Schöffl, I., & Küpper, T. (2010). Evaluation of injury and fatality risk in rock and ice climbing. Sports medicine40(8), 657-679.

Text: Iljana Käufeler

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