„Train the Trainer“ in Palästina 2019

Im März 2019 fand die Fortsetzung des „Train the Trainer 2018“ in Palästina statt. Die Teilnehmenden des Programms erhielten die Möglichkeit, ihre Learnings aus dem Vorjahr zu repetieren, zu vertiefen und neue praktische Erfahrung unter Anleitung unserer Headcoaches Arvo und Iljana zu sammeln. Bei dieser Fortsetzung lag der Fokus insbesondere auf der Planung und Realisierung von Parkourtrainings, wobei  Arvo und Iljana die Teilnehmenden in ihrem Unterricht begleiteten und Feedback gaben.

Geopolitische Situation in der Westbank

1988 wurde Palästina vom palästinensischen Nationalrat als unabhängig erklärt. Das Staatsgebiet umfasst, gemäss der grünen Grenze von 1967, die Westbank und den Gazastreifen. Viele UN-Mitgliedstaaten anerkennen Palästina als Staat, wobei die meisten westlichen Staaten (u.a. der Grossteil Europas, Nordamerika inkl. Kanada, Grönland, Australien, Neuseeland) dies nicht tun. So fehlt international die Anerkennung von Palästina als eigener Staat, in der UN hat Palästina seit 2002 Beobachterstatus. (lpb 2014) Der Gazastreifen (ca. 2 Millionen Einwohner) wird von der radikalen Hamas kontrolliert und ist durch einen Grenzzaun von Israel abgeriegelt (Auswärtiges Amt 2018). Die Westbank (ca. 3 Millionen Einwohner) steht nicht unter einheitlicher palästinensischer Verwaltung: Sie ist in drei Verwaltungszonen A, B und C unterteilt. Die Zone A (ca. 17%) wird von der palästinensischen Autonomiebehörde kontrolliert. Die Area B (ca. 24%) steht zwar unter palästinensischer Administration, Israel hat aber die Kontrolle über die Sicherheit im entsprechenden Gebiet. Die Area C (ca. 59%) wird von Israel verwaltet und umfasst neben palästinensischen Dörfern grösstenteils die durch israelische Siedlungen besetzten Gebiete. (lpb 2014) Palästina ist in vielen Bereichen von Israel abhängig. So ist beispielsweise die wirtschaftliche Entwicklung durch Einschränkungen von Seiten Israels in Bezug auf den Personen- und Güterverkehr behindert. Auch die Abriegelung von Gebieten, die Inbesitznahme von palästinensischem Land für den Bau von israelischen Siedlungen und die Zerstörung israelischer Infrastruktur schränken ein wirtschaftliches Wachstum ein. Die Palästinenser_innen können sich je nach Aufenthaltsausweis kaum frei bewegen, an vielen Checkpoints werden sie kontrolliert und in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt (LIP 2018). Das durchschnittliche monatliche Einkommen in den palästinensischen Gebieten in der Westbank ist verhältnismässig tief, die Arbeitslosenquote liegt bei ca. 17%, jene für junge Menschen zwischen 20 und 24 Jahren liegt gar bei knapp 50% (LIP 2018).

Projektzusammenarbeit

Wie bereits 2016 entstand das Projekt in enger Zusammenarbeit mit Caritas Schweiz. Die ParkourONE Academy trug die Verantwortung für die inhaltliche Planung, die Konzeption und die Ausführung vor Ort. Caritas Schweiz hatte die Hauptverantwortung für das Projekt und diente als Schnittstelle zur Organisation vor Ort. Konkret für die Planung in Palästina zuständig waren zfd/GIZ. Eine weitere wichtige Partnerorganisation war auch in diesem Programm der christliche Friedensdienst (cfd).

Ziele und Ablauf

Für dieses Fortsetzungsprogramm des „Train the Trainer 2018“ wurden jene Teilnehmende eingeladen, die bereits die Weiterbildung im Vorjahr erfolgreich besucht hatten und noch immer motiviert waren, Parkour nach TRuST zu unterrichten. Die Weiterbildung hatte zum Ziel, ihre sachlichen und fachlichen Kompetenzen weiter auszubauen, sie in ihrer Unterrichtstätigkeit zu unterstützen und damit zu erreichen, dass sie selbständig Trainings nach TRuST planen und durchführen können. Arvo und Iljana reisten dafür Ende März 2019 für knapp zwei Wochen in die Westbank, wo sie mit ihnen praktischen und theoretischen Unterricht, Hospitationen und Supervisionen durchführten. Längerfristig ist das Ziel dieses Multiplikatorentrainings, möglichst vielen Kindern die Möglichkeit zu bieten, in irgendeiner Form Parkour zu trainieren und etwas von unserer Philosophie mitzunehmen. Dadurch soll eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung geschaffen werden, die wenig Equipment erfordert und die Kids in Selbstvertrauen und Selbstwirksamkeit stärkt.

Erreichtes

Die Zielsetzung dieses Programms baut auf derjenigen des Vorjahres auf. Der Fokus lag erneut auf den Themen der (Gender-)Gleichheit, der Auseinandersetzung mit dem öffentlichen Raum, der Defragmentierung, der Schaffung des Kontaktes zur lokalen Parkour-Community und dem Sammeln von wichtigen Erfahrungen vor Ort. Mehr zu diesen Zielen hier.

Video-Dokumentation TRuST Further Education Parkour Teacher | ParkourONE - Jerusalem 2019

Bildergalerie

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DSC07857Abbildungen 1-3: Gemeinsames Training und Repetition von Grundtechniken

DSC08380Abbildung 4: Theoretischer Unterricht zum Thema Planung

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DSC08158Abbildungen 5 und 6: Hospitation während Kids-Workshops mit abschliessendem Feedback zum Unterricht

DSC09367Abbildung 7: Supervision durch Iljana während des selbständigen Unterrichts in der eigenen Parkour-Klasse

Literaturverzeichnis

  •  LIP (2018): Palästinensische Gebiete: Wirtschaft & Entwicklung. Webdokument. URL https://www.liportal.de/palaestinensische-gebiete/wirtschaft-entwicklung/ (letzter Zugriff: 16.08.18)
  • Auswärtiges Amt (2018): Palästinensische Gebiete. Webdokument. URL: https://www.auswaertiges-amt.de/de/aussenpolitik/laender/palaestinensischegebiete-node/palaestinensischegebiete/203564 (letzter Zugriff: 16.08.18)
  • Lpb (2014): Geschichte Palästinas. Webdokument. URL: https://www.lpb-bw.de/geschichte-palaestinas.html (letzter Zugriff: 16.08.18)
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