Entwicklungszusammenarbeit & Friedensförderung

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picture: Gaza-Workshop „move like a cat“, by stavrography

Bewegung und Sport prägen seit Jahrhunderten den menschlichen Alltag und insbesondere das Zusammenleben in der Gemeinschaft. Auch für die psychische und körperliche Entwicklung von Kindern und Jugendlichen sind Spiel und körperliche Aktivität zentral. Jedoch ist die Möglichkeit, sich frei zu bewegen, einer sportlichen Betätigung nachzugehen oder spielerisch Erfahrungen zu sammeln, nicht überall auf der Welt so selbstverständlich vorhanden, wie wir es uns in der Schweiz oder in Deutschland gewohnt sind. Armut, körperliche und mentale Krankheit, kriegerische Auseinandersetzungen oder gesellschaftliche Normen können das Ausüben von sportlichen Aktivitäten massiv einschränken.
Die ParkourONE Academy hat sich zum Ziel gesetzt, zusammen mit Organisationen aus der Entwicklungszusammenarbeit Projekte zu realisieren und dieses Tätigkeitsfeld auszubauen. Parkour nach TRuST mit seinem Wertesystem entspricht sehr stark den Zielen, die Sport in der Entwicklungszusammenarbeit und Friedensförderung hat. Deshalb sieht die ParkourONE Academy viel Potential von Parkour nach TRuST in diesem Bereich.

 

Sport in einem entwicklungspolitischen Kontext

Seit einigen Jahrzehnten wird die Wichtigkeit von Bewegung und Sport immer mehr ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt. So wurde bereits 1978 Sport in der internationalen Gemeinschaft als Grundrecht anerkannt: Die UNESCO bezeichnete Sport als „fundamentales Recht für alle“ (UNESCO 1978). Die Wichtigkeit von Freizeit und Spiel für Kinder und Jugendliche wird in der Kinderrechtskonvention von 1989 festgehalten (UNICEF 1989). Die Magglingen-Deklaration von 2003 bezeichnet Sport gar als Menschenrecht und „ideale Lebensschule“ (SAD 2005). Im selben Jahr ruft die UN-Inter Agency Task Force für Sport, Entwicklung und Frieden zum systematischen Einsatz von Sport in der Entwicklungszusammenarbeit auf (DEZA 2005).

Der Einsatz von Sport in der Entwicklungszusammenarbeit ist aus verschiedenen Gründen sinnvoll: Physische Betätigung ist menschlich, sie kommt also überall auf der Welt vor, unabhängig von Kultur, Religion oder Geschlecht. Nicht umsonst wird deshalb Sport auch als „universelle Sprache“ bezeichnet (Conrad/White 2016: 5). Er gilt in der Entwicklungszusammenarbeit als Instrument, das vergleichsweise wenig Input braucht, jedoch grosse Wirkung haben kann. Sport ermöglicht es, spielerisch Inhalte zu vermitteln, sei dies in Bezug auf Geschlechterrollen, Gesundheit oder kulturelle Differenzen. Zudem werden automatisch Grundsätze wie Fairness, Teamwork oder Disziplin gelernt.

Sport in einem entwicklungspolitischen Kontext hat verschiedene Wirkungsbereiche (DEZA 2005: 15f):

  • Persönlichkeitsentwicklung und soziale Integration
  • Friedensförderung/Konfliktprävention und Konfliktbewältigung
  • Gesundheitserhaltung und Gesundheitsförderung
  • Gender-Gleichheit
  • Wirtschaftliche Entwicklung
  • Mobilisierung und Kommunikation

Weitere Ausführungen zu diesen Wirkungsbereichen und Ziele der ParkourONE Academy in der Entwicklung und Friedensförderung finden Sie unter „Wirkungsbereiche und Möglichkeiten von Parkour nach TRuST“.

Wirkungsbereiche und Möglichkeiten von Parkour nach TRuST

Die ParkourONE Academy hat ihren Fokus sowohl im In- als auch im Ausland auf den ersten vier der oben genannten Wirkungsbereiche. Im Folgenden sollen diese etwas genauer ausgeführt und mit der vermittelnden Tätigkeit von ParkourONE verknüpft werden:

Sport fördert die Persönlichkeitsentwicklung, indem spielerisch soziale Kompetenzen erlernt und Grundsätze wie Fairplay oder Teamwork verinnerlicht werden können (DEZA 2005: 15). Auch Parkour nach TRuST fördert die Persönlichkeitsentwicklung ganz spezifisch. Die physische und psychische Hindernisüberwindung stärkt die Selbsteinschätzung, die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen und damit auch das Selbstvertrauen. Werte wie Bescheidenheit, Konkurrenzfreiheit und Respekt tragen zu einem friedlichen und wertschätzenden Umgang miteinander bei. Gegenseitige Hilfe und gemeinsame Ziele schaffen Vertrauen, ein Gemeinschaftsgefühl und Teilhabe an der Gesellschaft. Damit sollen Vorurteilen entgegengewirkt und Konflikten vorgebeugt werden. Dieser Austausch ist insbesondere wirksam, wenn er zwischen Gemeinschaften, Völkern, Kulturen, Religionen, Geschlechtern etc. wirken kann.

Ebenfalls zur Konfliktvorbeugung und -bewältigung trägt die Tatsache bei, dass durch sportliche Betätigung angestaute Energien kanalisiert werden können. Aggressionen und Frust werden in Bewegung umgewandelt, was Konflikte verhindern kann. Das gleiche gilt für traumatische Erlebnisse, die durch Bewegung verarbeitet werden können (DEZA 2005: 15). Allgemein ist wissenschaftlich belegt, dass Sport sowohl für die körperliche als auch für die mentale Gesundheit zentral ist (vgl. z.B. Conrad/White 2016). Parkour nach TRuST arbeitet gezielt mit Übungen zum Warm-Up und zur Mobilisierung, um Sportverletzungen während des Trainings vorzubeugen. Zudem schärft es die Fähigkeit der Selbsteinschätzung, um so Verletzungen zu vermeiden. Dies steigert wiederum das Selbstvertrauen und mentale Stärke. Sport im Allgemeinen und Parkour nach TRuST im Spezifischen fördert einen bewussten Umgang mit dem eigenen Körper. Leistungssteigernde und gesundheitsschädigende Substanzen werden grundsätzlich abgelehnt.

Sport kann zu sozialer Inklusion und Gleichberechtigung in all ihren Formen beitragen. Dazu gehört neben dem Einbezug von Minderheiten auch Gender-Akzeptanz. Sport ist in vielen Bereichen männerdominiert und in einigen Teilen der Welt gehört sportliche Betätigungen von Frauen nicht zur gesellschaftlichen Norm. In einer entwicklungspolitischen Betrachtungsweise ist der Einbezug aller Geschlechter von zentraler Bedeutung, wobei der gesellschaftliche Kontext immer berücksichtigt werden muss. ParkourONE teilt diese Ansicht und setzt sich für eine gleichberechtigte Teilnahme aller Menschen ein.

Literaturverzeichnis

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